HDD
HDD steht für Hard Disk Drive, also eine klassische magnetische Festplatte. Im Digital Cinema bezeichnet der Begriff meist ein physisches Speichermedium zur Auslieferung und zum Transport von Digital Cinema Packages (DCPs). Vor allem größere DCPs wurden und werden häufig auf transportablen Festplatten an Kinos, Festivals oder technische Dienstleister geliefert. Ein DCP auf einer HDD besteht dabei nicht aus einer einzelnen Filmdatei, sondern aus der vollständigen DCP-Struktur mit Bild- und Ton-Trackfiles, CPL, PKL, Asset Map und gegebenenfalls Untertiteln oder weiteren Assets. Die HDD dient lediglich als Transport- und Speichermedium. Das DCP selbst bleibt davon technisch unabhängig. DCPs können ebenso über Netzwerkübertragung, SFTP, Satellit oder andere digitale Distributionswege übertragen werden. Die ISDCF führt Hard-Disk-Transfer ausdrücklich als einen der etablierten Wege der DCP-Distribution auf. Für die physische DCP-Auslieferung reicht es nicht aus, eine beliebig formatierte externe Festplatte zu verwenden. Damit die Festplatte von möglichst vielen Digital-Cinema-Servern zuverlässig gelesen werden kann, existieren Branchenempfehlungen für Partitionierung und Dateisystem. Die ISDCF veröffentlicht diese unter Distribution Device File System Recommendations beziehungsweise Hard Disc Drive formats. Traditionell wurden DCP-Festplatten häufig mit einem Linux-Dateisystem wie EXT2 beziehungsweise später auch EXT3 formatiert. Der Grund dafür ist nicht, dass das DCP selbst Linux benötigt, sondern dass Digital-Cinema-Server herstellerübergreifend ein gemeinsames Dateisystem lesen können müssen. Historische ISDCF-Empfehlungen sehen dafür eine einzelne Linux-Partition und EXT2 oder EXT3 vor. Eine besonders typische Form der physischen DCP-Auslieferung ist die sogenannte CRU-Festplatte. Dabei wird eine SATA-HDD in einen robusten Wechselrahmen beziehungsweise Cartridge eingesetzt. Viele professionelle DCP-Server und TMS-Systeme besitzen passende CRU-Einschübe, sodass die Festplatte direkt in das System gesteckt werden kann. Das verbreitete DX115-System wurde speziell für diesen Einsatz entwickelt und gilt seit vielen Jahren als Industriestandard für die physische DCP-Distribution. Im Kinobetrieb wird ein DCP normalerweise nicht direkt von der Transport-HDD abgespielt. Stattdessen wird es zunächst auf den lokalen Speicher des Cinema Servers, Integrated Media Servers oder Theatre Management Systems ingestiert, also kopiert und dabei vom System eingelesen und geprüft. Nach erfolgreichem Ingest befindet sich das DCP auf dem lokalen Speichersystem und kann dort für die Vorstellung vorbereitet werden. Die HDD selbst hat dabei keinen Einfluss darauf, ob es sich um ein Interop- oder SMPTE-DCP handelt. Auf einer einzigen Festplatte können grundsätzlich unterschiedliche DCP-Typen und mehrere DCPs enthalten sein. Bei einem ISDCF-Kompatibilitätstest wurden beispielsweise sowohl SMPTE- als auch Interop-DCPs gemeinsam auf einer EXT2-formatierten CRU-Festplatte bereitgestellt. Auch verschlüsselte DCPs können problemlos auf einer HDD transportiert werden. Die Verschlüsselung befindet sich im DCP selbst und ist unabhängig vom Speichermedium. Zur Wiedergabe wird zusätzlich eine passende KDM benötigt, die für den vorgesehenen Cinema Server beziehungsweise Media Block und den entsprechenden Zeitraum gültig ist. Im heutigen Digital-Cinema-Workflow werden klassische HDDs zunehmend durch SSDs und netzwerkbasierte Distribution ergänzt oder ersetzt. Für die physische Übergabe eines DCPs können grundsätzlich HDDs, SSDs oder andere geeignete Speichermedien verwendet werden, sofern das Medium und insbesondere sein Dateisystem mit dem jeweiligen Digital-Cinema-System kompatibel sind. Die ISDCF behandelt deshalb ihre Empfehlungen inzwischen allgemeiner als Empfehlungen für physische Distributionsmedien und nennt ausdrücklich HDD, SSD und USB-basierte Speichermedien. Eine Festplatte für DCP-Distribution sollte außerdem mit Vorsicht an gewöhnliche Desktop-Systeme angeschlossen werden. Insbesondere zusätzliche oder ungeeignete EXT-Dateisystemtreiber unter Windows oder macOS können ein Risiko für unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen des Dateisystems darstellen. Die ISDCF empfiehlt daher, solche Distributionsmedien vorzugsweise mit dafür vorgesehenen Digital-Cinema-Systemen wie TMS oder SMS zu verwenden. Kurzdefinition: Eine HDD ist im Digital Cinema eine Festplatte, die insbesondere als physisches Transportmedium für DCPs verwendet wird. DCP-Festplatten werden nach festgelegten Branchenempfehlungen partitioniert und formatiert, damit Cinema Server und TMS-Systeme sie zuverlässig erkennen und die darauf enthaltenen DCPs ingestieren können.