DKDM
Einleitung
Eine Distribution Key Delivery Message (DKDM) ist ein digitaler Sicherheitsschlüssel, der in der Digital-Cinema-Branche verwendet wird, um die Verteilung verschlüsselter Digital Cinema Packages (DCPs) zu ermöglichen. Im Gegensatz zu einer Key Delivery Message (KDM), die ausschließlich die Wiedergabe eines DCPs auf einem bestimmten Kinoserver autorisiert, richtet sich eine DKDM an vertrauenswürdige Organisationen wie Postproduktionsstudios, Lokalisierungsunternehmen, Quality-Control-(QC)-Abteilungen und Filmverleiher. Eine DKDM ermöglicht es diesen autorisierten Einrichtungen, ein verschlüsseltes DCP zu entschlüsseln, um weitere Arbeitsschritte wie die Erstellung lokalisierter Fassungen, das Hinzufügen von Untertiteln, technische Qualitätskontrollen oder die Erstellung neuer verschlüsselter DCPs durchzuführen. Dadurch behalten Rechteinhaber jederzeit die Kontrolle über ihre Inhalte und können gleichzeitig autorisierten Partnern einen sicheren Zugriff ermöglichen.
Zweck
Der Hauptzweck einer DKDM besteht darin, die Berechtigung zur Entschlüsselung eines verschlüsselten DCPs sicher an autorisierte Partner weiterzugeben, ohne dabei die ursprünglichen Verschlüsselungsschlüssel offenzulegen. Mit einer DKDM können autorisierte Unternehmen:
- auf verschlüsselte DCPs für die Weiterverarbeitung zugreifen,
- lokalisierte Fassungen mit Untertiteln oder Synchronfassungen erstellen,
- technische Qualitätskontrollen (Quality Control) durchführen,
- neue DCP-Versionen für verschiedene Märkte erzeugen,
- verschlüsselte Inhalte an weitere Mastering- oder Distributionspartner weitergeben. Im Gegensatz zu einer KDM dient eine DKDM nicht der Filmvorführung im Kino, sondern der Bearbeitung und Weiterverarbeitung verschlüsselter Inhalte innerhalb professioneller Mastering-Workflows.
Funktionsweise
Der Workflow einer DKDM umfasst mehrere Schritte:
- Ein Mastering-Studio erstellt ein verschlüsseltes Digital Cinema Package (DCP).
- Der Rechteinhaber fordert das digitale Zertifikat (öffentlicher Schlüssel) der empfangenden Einrichtung an.
- Mithilfe dieses Zertifikats wird eine DKDM erzeugt.
- Die DKDM wird sicher an die autorisierte Einrichtung übermittelt.
- Die empfangende Einrichtung importiert sowohl das verschlüsselte DCP als auch die DKDM in ihr Mastering-System.
- Die Mastering-Software verwendet die DKDM, um die Inhalte intern zu entschlüsseln.
- Anschließend können Arbeiten wie Lokalisierung, Qualitätskontrolle, Untertitelintegration oder Versionierung durchgeführt werden.
- Falls erforderlich, wird anschließend ein neues verschlüsseltes DCP erstellt, für das später KDMs für die einzelnen Kinos generiert werden. Während des gesamten Prozesses bleiben die ursprünglichen Verschlüsselungsschlüssel geschützt und werden niemals direkt offengelegt.
Technischer Aufbau
Eine DKDM ist eine XML-basierte Datei, die keine Mediendaten enthält, sondern verschlüsselte Sicherheitsinformationen. Zu ihren wichtigsten Bestandteilen gehören:
Content Encryption Key (CEK)
Die DKDM enthält den verschlüsselten Content Encryption Key (CEK). Dieser Schlüssel wird benötigt, um das verschlüsselte DCP entschlüsseln zu können.
Empfängerzertifikat
Die DKDM wird mit dem öffentlichen Zertifikat der empfangenden Organisation verschlüsselt. Nur das dazugehörige private Zertifikat, das auf dem autorisierten Mastering-System installiert ist, kann die DKDM entschlüsseln.
Gültigkeitszeitraum
Jede DKDM besitzt einen definierten Start- und Endzeitpunkt. Eine Entschlüsselung ist nur innerhalb dieses Zeitfensters möglich.
Inhaltsidentifikation
Die DKDM enthält Informationen, die sie eindeutig einer bestimmten Composition Playlist (CPL) zuordnen. Dadurch kann sie ausschließlich mit dem vorgesehenen DCP verwendet werden.
Digitale Signatur
Der Aussteller versieht die DKDM mit einer digitalen Signatur. Diese bestätigt die Echtheit der Datei und stellt sicher, dass sie nach der Erstellung nicht verändert wurde.
Häufige Probleme
Bei der Verwendung einer DKDM können verschiedene Fehler auftreten.
Falsches Empfängerzertifikat
Wurde die DKDM mit einem falschen Zertifikat erstellt, kann die empfangende Einrichtung das DCP nicht entschlüsseln.
Abgelaufener Gültigkeitszeitraum
Nach Ablauf der definierten Gültigkeit verliert die DKDM ihre Funktion. In diesem Fall muss eine neue DKDM erstellt werden.
Fehlerhafte Systemzeit
Digital-Cinema-Systeme prüfen Datum und Uhrzeit sehr genau. Ist die Systemzeit falsch eingestellt, kann selbst eine gültige DKDM zurückgewiesen werden.
Zertifikatsabweichungen
Stimmt das im Mastering-System installierte Zertifikat nicht mit dem Zertifikat überein, für das die DKDM erstellt wurde, schlägt die Entschlüsselung fehl.
Falscher CPL-Bezug
Da eine DKDM an eine bestimmte Composition Playlist gebunden ist, kann bereits eine Änderung der CPL dazu führen, dass eine neue DKDM erstellt werden muss.
Standards
DKDMs basieren auf international anerkannten Standards der Digital-Cinema-Industrie.
Digital Cinema Initiatives (DCI)
Die DCI-Spezifikation definiert die Sicherheitsarchitektur verschlüsselter Digital Cinema Packages. Dazu gehören zertifikatsbasierte Verschlüsselung, Schlüsselverwaltung und Sicherheitsanforderungen.
SMPTE-Standards
Die Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE) definiert die XML-Struktur, Verschlüsselungsverfahren, Zertifikatsverwaltung und Interoperabilität von DKDMs und KDMs.
Public Key Infrastructure (PKI)
DKDMs basieren auf einer Public Key Infrastructure (PKI). Jede autorisierte Organisation besitzt dabei ein eigenes Schlüsselpaar aus öffentlichem und privatem Schlüssel. Dadurch wird sichergestellt, dass ausschließlich der vorgesehene Empfänger die DKDM entschlüsseln kann.
DKDM vs. KDM
Obwohl DKDMs und KDMs beide der Autorisierung verschlüsselter DCPs dienen, unterscheiden sie sich deutlich in ihrer Funktion.
| Merkmal | DKDM | KDM |
| Empfänger | Postproduktionsstudio, Verleiher, QC-Haus | Kinoserver |
| Zweck | Entschlüsselung zur Bearbeitung | Autorisierung der Wiedergabe |
| Bearbeitung von Inhalten möglich | Ja | Nein |
| Einsatz während der Distribution | Ja | Nein |
| Einsatz während der Kinovorführung | Nein | Ja |
Zusammenfassung
Die Distribution Key Delivery Message (DKDM) ist ein wesentlicher Bestandteil sicherer Digital-Cinema-Workflows. Sie ermöglicht autorisierten Postproduktionsstudios, Verleihern und weiteren Partnern den Zugriff auf verschlüsselte Digital Cinema Packages, um diese zu bearbeiten, zu lokalisieren, technisch zu prüfen oder für verschiedene Märkte anzupassen. Durch den Einsatz zertifikatsbasierter Verschlüsselung, digitaler Signaturen und zeitlich begrenzter Berechtigungen gewährleistet die DKDM, dass ausschließlich autorisierte Organisationen auf geschützte Inhalte zugreifen können. Damit bildet sie eine zentrale Grundlage für sichere Mastering-, Lokalisierungs- und Distributionsprozesse, bevor die endgültigen KDMs für die Kinowiedergabe erstellt werden.